Warum ist Waldbaden so gesund?

Geh einfach ins Grün des Waldes und du wirst Heilung erfahren, allein indem du dort bist und atmest.

Hildegard von Bingen

Das Wissen, wie wohltuend ein Aufenthalt im Wald auf uns wirkt, ist nicht neu. Schon Hildegard von Bingen erkannte die heilsame Wirkung des Waldes. Es ist allgemein bekannt, dass Waldluft feuchter, sauerstoffreicher und durch deutlich weniger Staubpartikel wesentlich sauberer als Stadtluft ist und damit unsere Atemwege entlastet. Außerdem ist es in Wäldern deutlich ruhiger, da die in Städten allgegenwärtige Lärmverschmutzung fehlt, und das Waldklima ist ausgeglichener – im Sommer kühler, nachts und im Winter wärmer – zudem schützen die Bäume uns vor Wind. All das tut uns gut!

Forschungen zur gesundheitlichen Wirkung des Waldbadens

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Mittlerweile gehen Wissenschaftler weltweit noch einen Schritt weiter und erforschen die heilende und präventivmedizinische Wirkung des Waldes auf unsere Psyche und den Körper. Da Japan als das Land gilt, in dem Waldbaden als gezieltes Konzept entstanden ist, seien als führende Professoren der Waldmedizin Dr. Yoshifumi Miyazaki (Universität Chiba) und Dr. Qing Li (Nippon Medical School) genannt. Beide haben ihre Standardwerke („Shinrin Yoku – heilsames Waldbaden“ und „Die wertvolle Medizin des Waldes“) auch auf Deutsch veröffentlicht. 

Geforscht und publiziert wird mittlerweile weltweit. Im deutschsprachigen Raum widmen sich u.a. der Biologe Clemens G. Arvay („Der Biophilia-Effekt“) und der  Forstwissenschaftler Peter Wohlleben (u.a. „Das geheime Leben der Bäume“) dem Thema und haben lesenswerte Bücher für ein breites Publikum veröffentlicht. Von wissenschaftlicher Seite sei die Ludwig-Maximilians-Uni München mit dem Fachbereich Medizinische Klimatologie, Kurortmedizin und Prävention (Prof. Dr. Dr. Angela Schuh) genannt.

Waldbaden: gesund für Körper und Geist!

Wie wirkt sich Waldbaden auf den Körper aus?
  • Die feuchte, saubere und sauerstoffreiche Waldluft entlastet unsere Atemwege, dies gilt insbesondere für Allergiker und Asthmatiker, und ist gut für unsere Haut.  
  • Ein Waldaufenthalt reguliert nachweislich den Blutdruck und die Herzfrequenz
  • Waldbaden reduziert Stress: die Stresshormone Adrenalin, Noradrenalin und Kortisol sinken. Während im Arbeitsleben und stressigen Alltag das sympathische System (steuert u.a. Kampf- oder Flucht-Reaktion) dominiert, stärkt Waldbaden das parasympathische System (verantwortlich für Ruhe und Erholung).
  • Eine weitverbreitete Nebenwirkung von Stress sind Schlafstörungen. Nach dem Waldbaden erhöht sich die Schlafdauer und -tiefe und die Schlafqualität steigt. 
  •  Waldbaden stärkt die Abwehrkräfte und das Immunsystem: Japanische Studien haben gezeigt, dass die Anzahl und Aktivität der natürlichen Killerzellen im Blut steigen.
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Welche Erklärung dafür haben die Wissenschaftler?

In der Forschung werden viele Faktoren diskutiert. Zwei Erklärungen sind: 

  • Waldluft ist voller Phytonzide: Alle Pflanzen, insbesondere (Nadel-)Bäume, sondern diese biochemischen Botenstoffe ab, um Nützlinge anzulocken, Schädlinge (Fressfeinde, Krankheitserreger) abzuwehren und um miteinander zu kommunizieren. Hauptbestandteil der Phytonzide sind die Terpene, die wir als Duftstoffe oder ätherische Öle kennen. Wenn wir uns im Wald bewegen, nehmen wir diesen Cocktail aus Substanzen vor allem über unsere Lunge auf. Diese „natürliche Aromatherapie“ setzt auch in unserem Körper biochemische Prozesse in Gang und regt unser Immunsystem an. 
  • Ähnliches gilt für die Waldmikroben,  also Mikroorganismen, die insbesondere im Waldboden vorhanden sind. Sie interagieren mit unserem körpereigenen Mikrobiom über unsere Schleimhäute. Wir Menschen sind Teil der Natur und Teil dieses Kreislaufs.
Auch auf die Psyche wirkt der Wald

 Die Grenze zwischen physiologischen und psychischen Auswirkungen eines Waldaufenthalts sind fließend. In der Waldforschung werden noch folgende interessante Faktoren genannt:

  • Der Soziobiologe Edward O. Wilson prägte den Begriff Biophilie (= Liebe zum Leben), Clemens G. Arvay spricht vom Biophilia-Effekt: Menschen haben das biologische Bedürfnis, mit der Natur in Verbindung zu treten. Da wir Teil der Natur sind, wirken Naturerfahrungen und die natürliche Schönheit wohltuend und heilend auf uns. Die neuseeländischen Forscher Mary Ann O’Grady und Lonny Meinicke sprechen von der Zurück-zur-Natur-Theorie.
  • Ein nicht zu unterschätzender Effekt ist das Being-away: Ein Waldspaziergang erleichtert das Abschalten, wir gewinnen Abstand von unserem Alltag und dem allgegenwärtigen „Techno-Stress“. 
  • Auch auf die kognitiven Fähigkeiten hat ein Waldbad interessanterweise Auswirkungen: Bereits nach einem 50-minütigen Waldaufenthalt verbessert sich die Gedächtnisleistung signifikant, denn sie korreliert mit Erholungsgefühlen.
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Für mich strahlt der Wald Schutz und Geborgenheit aus, er ist ästhetisch und schön anzuschauen und ich genieße die vielen kleinen und großen Dinge, die ich im Wald bei jedem Spaziergang neu entdecke und bewundere.

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