Wälder aus einem anderen Erdteil

Grundsätzlich bin ich dafür, dass in der Waldwirtschaft vorrangig mit heimischen Baumarten gearbeitet wird. Doch seit jeher (und nicht erst im Zuge des aktuellen Klimawandels) experimentiert die Forstwirtschaft mit Baumpflanzungen auch nicht-heimischer Arten. Und ich gebe eines zu: Waldbaden finde ich dann besonders schön, wenn die Strecke abwechslungsreich ist, wenn es immer wieder etwas Neues – und manchmal sehr Unerwartetes, zu entdecken gibt. Deshalb freue mich mich auch, wenn ich mitunter nicht-heimische Bäume, so genannte Neobionten, bei uns entdecke und habe auch in unseren Taunuswäldern die eine oder andere Überraschung erlebt!

Mittelmeerflair bei Hofheim

Mitten im Hofheimer Wald hatte ich dieses Erlebnis, ich fühlte mich auf einmal wie am Mittelmeer, trotz des herbstlichen Nebels. Das waren definitiv keine heimischen Kiefern (Pinus silvestris)! Dieser als nördlichster Pinienwald Europas (ohne Expertin zu sein, tippe ich auf Pinus pinea) titulierte Wald war vermutlich ein Versehen. Im 19. Jahrhundert wurde der Kapellenberg wieder aufgeforstet und auf der mageren und felsigen Südseite pflanzte man diese Pinien. Auf der Stadtrechnung von 1878 ist von 11.500 jungen Pinus-Pflänzchen die Rede – ohne diese näher zu spezifizieren. Klang da für den Einkäufer Pinus pinea viel mehr nach Pinie als Pinus silvestris? Auf jeden Fall fühlen sich die mediterranen Gewächse hier wohl und gedeihen gut und sorgen für so mach‘ erstaunten Blick bei den Spaziergängern.

Teil des RegionalParks Rhein-Main an dieser Stelle ist übrigens auch ein römisches Wallgraben-System sowie der Graue Stein, ein großer Sturzblock einer Brandungsküste, die es hier vor über 20 Millionen Jahren gab. Also gleich mehrere Gründe, dieses Gebiet einmal zu besuchen!

Nordamerika-Feeling in Oberursel und Bad Homburg

Ähnlich erstaunt war ich, als ich im Wald von Oberursel und Bad Homburg zahlreiche Riesenlebensbäume (Thuja plicata) entdeckte. Sie stehen teils vereinzelt, aber an einer Stelle auch zahlreich nebeneinander im Wald. Diese Riesenlebensbäume gehören zu den Zypressengewächsen und sind normalerweise im westlichen Nordamerika (Nordkalifornien bis Alaska), hier bekannt als Western Red Cedar, beheimatet. Tatsächlich lösten auch sie ein bisschen Urlaubsgefühle in mir aus.

Interessanterweise stehen im weiteren Umfeld der Riesenlebensbäume auch noch andere Baumarten aus deren Heimatregion. Zu diesen Neobionten gehören Douglasien, die mittlerweile weit verbreitet in unseren Wäldern sind, und ich gestehe, ich mag auch diese Nadelbäume sehr gerne. Zerreibt man ihre Nadeln mit den Fingern, verströmen diese einen angenehmen zitrusartigen Duft. An den herumliegenden Zapfen meine ich auch noch Sitka-Fichten identifizieren zu können – da hat wohl ein Freund dieser Region ein bisschen experimentiert!

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